Album der Woche: Dan Mangan – More or less

Veröffentlicht von Michael Taube am

Vermutlich hat’s mit der Rolle als gesetzter Familenvater zu tun oder generell mit einer gewissen Reife jenseits der Mittdreißiger-Marke, Fakt ist auf jeden Fall: Dan Mangan will erst mal Ordnung haben auf seinem neuen Album “More or less”, oder wie er selbst sagt, “more warmth, less chaos”. Ein probates Mittel dafür scheint eine Rückbesinnung auf die Traditionen des Americana zu sein. Einige Songs erlauben sich, die ganz klassischen Kompositionsstrukturen alter Helden wie Neil Young oder Bruce Springsteen aufzugreifen. “Just fear” gefällt sich als ermüdete Folk-Rock-Hymne in aller Bescheidenheit, hat den Kampf aber scheinbar schon aufgegeben, “every road feels traveled / while we get lost in struggle”. Die Kraft, sich dem entgegenzustellen, fehlt Mangan, doch herrlich traurig darüber meditieren, das geht immer. Ein wenig aufgeweckter gibt sich “Cold in the summer”, die Inszenierung als Verlierertyp gelingt gleich viel nachhaltiger mit schwingendem Bass und munterem Bar-Piano, das alles könnte direkt ausgelassen genannt werden, wäre da nicht wieder die zurückhaltende Melancholie in Mangans Gesang.

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