“Und wo bist Du jetzt, Marie?”, fragte einst ein gewisser Joachim Deutschland auf “Musik wegen Frauen” eindringlich. In den letzten Atemzügen von 2018 kommt wirklich alles erneut auf den Tisch. So wollen AnnenMayKantereit in leichter Variation wissen: “Marie, wo bist Du?” Dabei müsste Deutschlands ursprüngliche Version dem Quartett besser gefallen. Würde man auf “Schlagschatten” ein Trinkspiel um jede Zeile, die mit “und” beginnt, veranstalten – selbst die Schluckspechte wären vor der Hälfte der Platte tief im Delirium. Was kein guter Stil ist. Weder das Trinkspiel, noch dieses ständige “und”. Oder eben generell AnnenMayKantereits Texte. Ihr drittes Album wird nichts an der Polarisierungskraft ändern, mit der die Kölner Meinungen spalten. Obendrein verbreitert sich der Riss in ihrem eigenen Schaffen mehr und mehr.

Denn instrumental zeigen die 14 Stücke eine Weiterentwicklung im Vergleich zu “Alles nix Konkretes”. Die Variantenvielfalt begeistert an vielen Stellen, wenn sie beispielsweise auf “In meinem Bett” ein entspanntes Gitarrenlick den Song tragen lassen oder die Drum Machine auf “Sieben Jahre” unbemerkt den Weg zu einer tollen Coda führt. Die Produktion der zum Folk und Indierock neigenden Kompositionen ist wieder etwas organischer und luftiger als auf dem Vorgänger, auch wenn die alternativen Versionen, welche jeder der sechs (!) Vorabsingles als B-Seite anheim gestellt wurden, teils die bessere Wahl gewesen wären. Ein Schritt nach vorn also hier. Was man über die Lyrik wahrlich nicht behaupten kann.

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