Album der Woche: Anna Calvi – Hunter

Veröffentlicht von Michael Taube am

Völlig durchnässt und mit verschmiertem roten Lippenstift blickt Anna Calvi ein unbestimmtes Gegenüber lustvoll an. Noch verschwitzt vom Akt oder schon in den “Swimming pool” gesprungen, den sie hier in einer cineastischen, breit gepinselten Streicherballade besingt? So oder so legt Calvis drittes Album “Hunter” bereits mit dem Cover nahe, dass Subtilität für die Britin noch immer ein Fremdwort, ihre Pop-Performance extrovertiert und sperrig, ihr Umgang mit der eigenen Sexualität ein höchst offensiver ist. Es ist auch kein Zufall, dass sie auf besagtem Cover auffallend geschlechtslos wirkt, soll “Hunter” – so beschreibt es ein beigefügtes Manifest – eine reflektierte Auseinandersetzung mit queerer Geschlechtsidentität und dem spektralen Verhältnis von Mann und Frau sein. So sehr sie ihre mehrere Oktaven überspannende Stimme und ihre heißgeliebte Gitarre auch strapaziert, gelungen ist ihr das nicht so ganz.

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