Neuerscheinung im November und Debütroman: „Des Menschen Furcht“ von Neil Mackay

Der historische Roman „Des Menschen Furcht“ von Neil Mackay wird vom „True-Crime-Magazin des Stern empfohlen. Vielleicht hat man dort ja das Buch nicht gelesen. Es ist bestimmt kein Krimi wie es der „Name der Rose“ war, aber es ist ein verdammt spannendes, unterhaltendes Stück Mittelalter des ausgehenden 16. Jahrhunderts.

Erzähler der Ereignisse um das Jahr 1563 in Bedburg nahe Köln ist der 80-jährige William Loos. William erzählt im Rückblick sein Abenteuer mit dem unheimlichen Mörder Peter Stumpf. Stumpf auch Stubbe-Peter genannt, soll ein Werwolf sein und über 60 Menschen getötet und gefressen haben. Es dauert nicht sehr viele Seiten und ich weiss, dass er es war. Und damit eigentlich Ende der Geschichte.

Aber das eigentliche Verbrechen ist nicht der interessante Teil dieses Romans. Mackay entwirft ein Sittengemälde des ausgehenden 16. Jahrhunderts, dass durch den Glauben und die Furcht vor übernatürlichen Geschöpfen beherrscht wird. Zudem wird die Suche und die Erlebnisse der Menschen zwischen der katholischen Kirche und dem nach den Glaubenswirrungen nach Luther entstandenen Königreichs von Münster.

In lebhaften Farben erzählt der Autor die Erlebnisse der Figuren z.B. des Advokaten Paulus Melchior, von Landsknechten im Krieg, von Williams Vater in Münster und nimmt diese Geschichten als Begründung für die Furcht der Menschen in Bedburg vor dem Werwolf. Ein wenig Frauenbefreiung rundet das Bild dieser Zeit ab.

Der Roman befleißigt sich dabei einer sehr gelungenen Sprache, nicht zu kompliziert, aber auch nicht zu einfach im Satzbau. Neil Mackay versucht den Roman mittelalterlich wirken zu lassen, was bei mir ankommt.

Da ich ja bekanntermaßen ein Freund von historischen Karten bin, bin ich hier etwas knapp dran. Es gibt eine Karte von Bedburg, die mir aber nichts geholfen hat.

Wer einen reinen Krimi im historischen Gewand erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer eine emotionale und anschauliche Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert mit viel Religionsbezug sucht, dem empfehle ich den Roman.

Am Ende noch ein paar Informationen zum Autor:

Neil MacKay ist preisgekrönter Journalist, Sachbuchautor und Filmemacher. Sein Dokumentarfilm The War of Truth wurde für den BAFTA nominiert. Da in England und Schottland mittelalterliche Prozessakten schon im Mittelalter sorgsam archiviert wurden, ist Mackay auf den historischen Fall des Peter Stump gestoßen. Dies war die Geburtsstunde für seinen Debütroman Des Menschen Furcht.

Aus den Klappentext:

Deutschland im ausgehenden 16. Jahrhundert: Immer noch steht Europa im Zeichen des finsteren Mittelalters. Aus der Gegend um Köln dringt beunruhigende Kunde. In Bedburg wird ein gewisser Peter Stumpf, genannt Stubbe-Peter, angeklagt, an die 70 Menschen ermordet zu haben. Der Advokat Paulus Melchior soll zusammen mit einem fanatischen Inquisitor den Prozess leiten. Ihm zur Seite steht sein Adlatus William, der sich dem illustren Zug gen Bedburg anschließt und in das faszinierende Panorama einer Welt eintritt, wie wir sie nicht mehr kennen …

 

Autor: Neil Mackay

Umfang: 544 Seiten

Erscheinungsdatum: 11.10.2016

Erschienen im: Heyne Verlag

Preis: 14,99 €

ISBN: 978-3-453-43875-0

Post Author: Michael Taube