Die Waldgräfin: Zwischen den Religionen lieben

Bisher war mir Dagmar Trodler gänzlich unbekannt. Ihre Romane haben aber einen guten Klang in der Geschichtsliteratur und somit habe ich nach der aktuellen Ausgabe der „Waldgräfin“ gegriffen.

Nachdem ich lesend durch die Jahrhunderte gegondelt bin finde ich mich diesmal im Mittelalter wieder und lese eine Geschichte, die die Zeit im 11. Jahrhundert beleuchtet.

Das Cover und der Romantitel lässt eine schnulzige Liebesgeschichte erwarten mit ein wenig Aufmüpfigkeit der Hauptperson. Tja, und genau das ist es auch.

Eigentlich hat der Roman das Zeug zu einem ganz großen Roman.

Es werden die Konflikte zwischen Religionen beschrieben. Hier die Christen, die einen jüdischen Heiler in ihrer Burg halten und ihn doch als Zauberer ansehen. Dort ein junger Mann aus einem uralten nordischen Herrschergeschlecht stammt und dem alten Glauben anhängt. Später stellt sich heraus, dass er eine Mutter mit christlichem Glauben hat.  Diesen Teil hat Trodler, soweit ich es beurteilen kann, kenntnisreich und emotional beschrieben und in die Handlung eingewoben.

Der andere tragende Teil der Geschichte ist das Verhältnis der jungen Tochter eines Freigrafen mit Namen Alienor. Der Name ist normannischen Ursprungs, da die Mutter aus Liebe von dort mit dem Freigrafen in die Eifel gegangen ist. Und es gibt den oben genannten Herrschersohn Erik. Es kommt wie es immer kommt, nur halt schlimmer. Sie befreit ihn, er rettet sie, dann rettet er sie nochmal und dann..ach weiss nicht mehr. Und immer die Zweifelei bei Alienor, ob sie ihm vertrauen kann, gar liebt oder doch nicht. Selbstverständlich muss das in einem Lieberoman so sein, aber in diesem Roman übertreibt Dagmar Trodler gewaltig. Vielleicht bin ich aber als männlicher Leser nur nicht fähig alle Verwicklungen des Herzens mitzuerleben.

Anstrengend fand ich jüdische, wikingerische (ich weiss nicht mal welche Sprache dort benutzt wurde) und lateinische Textpassagen ohne Übersetzungen zu lesen. Bei Star Trek wird das auch gerade gemacht und auch da sind meine klingonischen Sprachkenntnisse nicht ganz sattelfest. Am Ende des Romans gibt es zwar dann viele Textpassagen in deutscher Übersetzung, aber ich hatte da keine Lust mehr diese zu Lesen und dann noch im Buch wieder zu finden.

Mein Fazit: Der Roman „Die Waldgräfin“ ist ein langer meist gelungener Roman im Zwiespalt der Religionen. Ich wünsche Alienor und Erik viel Glück in den nächsten Romanen, ich werde sie nicht begleiten.

Über die Autorin:

Dagmar Trodler, Jahrgang 1965, arbeitete einige Jahre als Krankenschwester und studierte dann Geschichte und skandinavische Philologie. Sie lebt mit ihrem Mann seit 2009 in Island. Bereits mit ihren ersten beiden historischen Romanen Die Waldgräfin und Freyas 
Töc
hter hat sie bei Lesern und Kritikern größte Begeisterung geweckt. Weitere Romane folgten.

 

 

Aus dem Klappentext:

In der Eifel, um das Jahr 1060: Alienor, die rebellische Tochter des Freigrafen zu Sassenberg, war ihr Leben lang eine Außenseiterin. Nach dem Tod ihrer Mutter wird sie von ihrem Vater gezwungen, die Pflichten der Burgherrin zu übernehmen und muss über das Schicksal eines gefangenen »Barbaren« entscheiden. Dieser erweist sich als letzter Sohn eines uralten nordischen Herrschergeschlechts — und ist somit auch der Erzfeind ihres Vaters. Da ergreift die junge Eifelgräfin die Chance, nicht nur Erik, sondern auch sich selbst aus der Abhängigkeit des Freigrafen zu befreien.

 

Autorin: Dagmar Trodler

Umfang: 855 Seiten (Print-Ausgabe)

Erscheinungsdatum: 02 Februar 2017 (E-Book Neuauflage)

Erschienen im: Blanvalet Taschenbuch Verlag

Preis: 7,99 €

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