Das Ohr des Kapitäns: Schätze in Zeiten der Kolonialkriege

Es fällt mir schwer, den Roman einzuordnen.

Es ist ein Abenteuerroman. Es wird die Suche dreier Männer nach einem Schatz beschrieben. Die Auflösung ist übrigens brillant gemacht.

Es ist ein Kriegsroman, da auf 100 der 298 Seiten (E-Book) der Kolonialkrieg in der Karibik beschrieben wird, inkl. der Namen der Befehlshaber, der Kanonenanzahl und der vielen Orte, an denen die Kämpfe stattgefunden hat. Einiges habe ich nachgeschlagen und es scheint zu stimmen.

Es ist ein historischer Roman, weil der geschichtliche Hintergrund ein tragendes und belegtes Element des Romans ist. Ebenso gab es den Dichter Tobias Smollett tatsächlich.

Die drei wichtigsten Romanhelden Tobias Smollett, O´Leary und Osvaldo Belmonte werden schön beschrieben. Sie geben mir das Gefühl, sie zu kennen. Insbesondere ihre Sprache, sie sprechen „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“, um es mit den Worten meiner Mutter zu sagen, ist am Anfang ungewöhnlich, dann aber ein tolles Stilmittel. Gefallen haben mir auch die historischen Karten am Beginn des Buches.

Mir erscheint das Werk von Gisbert Haefs wie eine Kurzgeschichte (der Abenteuerroman), die mittels einer gut recherchierten Kriegsgeschichte aufgeblasen wurde. Auf Grund des akkuraten Hintergrunds ist dies statthaft.

Mein Fazit: Sprache und Schreibstil von Gisbert Haefs finde ich vortrefflich, die Nähe zum historischen Hintergrund beeindruckend.  Der Roman selber ist mir allerdings zu lang, die Kampfbeschreibungen zu langatmig. Meine Empfehlung geht an die Menschen, die Militärgeschichte insb. Kolonialzeit als spannend ansehen. Sie werden mit dem Roman „Das Ohr des Kapitäns“ vortrefflich unterhalten.

 

Über den Autor:

Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges zuständig. Zu eigenem schriftstellerischen Erfolg gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane,
s
ondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke »Hannibal«, »Alexander« und »Troja«. Mit »Raja« hat Gisbert Haefs ein grandioses Werk vorgelegt, das einmal mehr seinen Ruf als Meister des historischen Romans bestätigt.

Aus dem Klappentext:
Sklavenhandel, Schmuggelware und ein Kriegsgrund – der neue große historische Roman von Gisbert Haefs

Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1713 erhalten englische Händler das Monopol für die Belieferung des spanischen Kolonialreichs in Südamerika mit schwarzen Sklaven. Eines Tages weigert sich der »Händler« Jenkins (de facto wohl Schmuggler), sich von der spanischen Küstenwache vor Kuba kontrollieren zu lassen, worauf der spanische Kapitän dem Zeternden kurzerhand das linke Ohr abschneidet. Als Jenkins das Beweisstück in London vorlegt, ist das in der aufgeheizten Stimmung für England Grund genug, mit dem größten Flottenaufgebot seit der Armada zu reagieren. Es kommt zum Kolonialkrieg in der Karibik. Der später berühmte Romanautor Tobias Smollett nimmt als junger Assistenzarzt an Bord eines britischen Linienschiffs an der Unternehmung teil.

 

 

Autor: Gisbert Haefs

Umfang: 400 Seiten (gebundene Ausgabe)

Erscheinungsdatum: 14.08.2017

Erschienen im Heyne Verlag

Preis: 19,99 €

ISBN: 978-3453269309

Post Author: Michael Taube