Dänemark 2016 – Sommerurlaub – Und der Auftakt für ein Familienepos: „Das Salz der Erde“

Einen Teil meines Sommerurlaubes habe ich mit Lesen verbracht.  Da mir der 2. Teil der „Fleury“-Bücher (Link zur Rezession) sehr gut gefallen hat, habe ich mich mit Teil 1 beschäftigt.

Das Mittelalter zum Ende des 13. Jahrhunderts, die städtischen Gemeinden machen die ersten Schritte in die Selbstverwaltung. Das geflügelte Wort, dass Stadtluft freimacht, nutzen viele Leibeigene. So auch Remy aus Fleury, der mit seinen drei Kindern vor der Willkür seines Herren nach Varennes-Saint-Jaques in Oberlothringen flieht. Nach einem Jahr und einem Tag ist die kleine Familie als Städter sicher vor der Verfolgung.

Erzählt wird im Roman „Das Salz der Erde“ von Daniel Wolf die Geschichte der beiden Brüder Jean und Michel de Fleury. Die Schwester wird als Nebenrolle lediglich ab und an erwähnt. Michael erlebt den Auf- und Abstieg der fiktiven Stadt als Vorsteher der Kaufmannsgilde, als gildenloser Bürger, als einfaches Gildenmitglied und zum Ende als Bürgermeister über 30 Jahre (von 1173 – 1206).

Es gibt Bücher, die ich als schwer zu lesen empfinde; Bücher, die vielleicht lieber kürzer gestaltet hätte sein sollen; und es gibt diesen Roman. Für sich alleine ist der Roman eine runde Sache. Auch wenn 30 Jahre verarbeitet werden, kann ich jeden Zeitschritt durch die fantasievolle, genaue und bunte Erzählung miterleben. Die Charaktere sind durchgängig eindeutig zu zuordnen, die Handlungen verständlich. Die Orte des Romans wiederholen sich, sind nicht zu viele und wunderbar beschrieben.

Einzig das Verhalten Isabelles als sie von der Homosexualität ihre Mannes Thomasin erfährt, erscheint mir unglaubwürdig. Und wer etwas zum Thema Salz erwartet wie ich, wird enttäuscht. Auch wenn der Titel des Romans dies suggeriert, ist die Saline von Varennes nur ein nie besuchter Schauplatz.

Ob der Roman schon immer als Auftakt für eine Reihe von „Fleury“-Bücher geplant war, kann ich nicht sagen. Er ist abgeschlossen und als eigenständiges Werk eine Empfehlung wert. Mittlerweile wissen wir ja, dass es weitere Bücher geben wird. Mir gefällt Michel als Held des ersten Bandes besser als sein Sohn Remy im darauffolgenden Band. Ich empfinde Michels Pioniergeist, seine Konsequenz im Handeln und seine Loyalität zur Stadt und der Bevölkerung weitaus interessanter und sympathischer.

Bald werde ich mir den (bisher) letzten Teil des Epos vornehmen und bin schon sehr gespannt, ob Daniel Wolf das hoher Niveau der Romane weiterhin halten kann.

Ich empfehle die „Fleury“-Bücher, aber in der richtigen Reihenfolge, zu lesen!

 

Aus den Klappentext:

Herzogtum Oberlothringen, 1187. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt der junge Salzhändler Michel de Fleury das Geschäft der Familie. Doch seine Heimatstadt Varennes leidet unter einem korrupten Bischof und einem grausamen Ritter, der die Handelswege kontrolliert – es regieren Armut und Willkür. Als Michel beschließt, Varennes nach dem Vorbild Mailands in die Freiheit zu führen, steht ihm ein schwerer Kampf bevor. Seine Feinde lassen nichts unversucht, ihn zu vernichten. Nicht einmal vor Mord schrecken sie zurück. Und schließlich gerät sogar seine Liebe zur schönen Isabelle in Gefahr …

 

Autor: Daniel Wolf

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Umfang: 1152 Seiten

Erscheinungsdatum: 8. Dezember 2014

Erschienen im: Goldmann Verlag

Preis: 9,99 €

ISBN: 978-3-442-47947-9

Post Author: Michael Taube