Blutiges Land: Wenn der Titel genau dem Inhalt entspricht

Frisch aus der Presse liegt mir die Neuerscheinung Blutiges Land vor. Der Roman spielt in der Zeit des 30-jährigen Krieges. In diesem Krieg kämpfen die Religionen gegen einander. Auf der einen Seite ist der deutsche Kaiser mit der Katholischen Liga, auf der anderen die Protestantische Union. Daneben mischen unterschiedlichste europäische Staaten mit. Allerdings findet der Krieg selber nur auf dem Boden des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation statt und ist in seiner Grausamkeit kaum von anderen Kriegen zu überbieten.

Die Story spielt im Zeitraum von 1626 bis 1631. Es wird die Geschichte zweier Freunde erzählt, die sich auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Kriegsparteien verfeinden.

Der Autor Wolfgang Thon hat seinen Roman in vier Teile gesplittet von denen die ersten beiden mit Jahreszahlen zur Orientierung beschriftet sind. Handlungsorte sind das Gebiet um Nienburg, Hamburg, Stralsund und Magdeburg. Wir begleiten die Helden Valerian von Villesen, seine Schwester Augusta und Eik Schmalens in den Krieg.

Fast mit der ersten Seite wird der Krieg und seine Nebenkämpfe auf robuste, blutige Art beschrieben. Mir ist das fast zu viel. Allerdings zieht mich das aber sofort in die blutige Realität des dreißigjährigen Krieges.

Neben dem Kriegsgeschehen zeichnet der Autor sehr lebhaft das Leben im 17. Jahrhundert nach: Sitte und Moral, verabredete Heiraten und auch Verstöße gegen die Ordnung finden hier ihr Abbild. Dabei lässt uns Wolfgang Thon jederzeit an der Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten teilhaben. Damit konnte ich viel anfangen, so ausführlich habe ich es bei anderen Autoren noch nicht gesehen.

Zu den bisher geschilderten Szenen wird auch der militärische Aufstieg von Eik und Valerian erzählt. Beide steigen, jeweils ihrer Möglichkeiten schnell auf, vermutlich ein Zeichen der Zeit. Zuviel sind mir allerdings die militärischen Titel mit denen Thon um sich wirft.

Durch den gesamten Roman zieht sich auch eine Liebesgeschichte. Eik und Augusta waren bereits in der Heimat leicht verbandelt und finden sich am Ende des Romans wieder. Bis der Krieg sie einholt und Eik aus der häuslichen Idylle wieder in den Krieg ziehen muss. Einen besonderen Aspekt zeichnet Thon mit den Familienverhältnissen der Drei. Sie scheinen Halb-Geschwister zu sein. Am Ende stellen wir fest, dass Eik aber nicht der Halbbruder von Augusta ist, nur ich habe es nicht verstanden. Schade!

Weitere Aspekte des Buches, die mir nicht gefielen: Kein Glossar, keine Zeittafel, der Autor setzt wohl voraus, dass man die Geschichte kennt und sich so zurechtfindet. Und das Cover und der Umschlagstext sind irreführend.

 

Mein Fazit: Obwohl mir das Drumherum nicht gefallen hat, ist Wolfgang Thor ein begnadeter Szenenbeschreiber und damit ausgesprochen lesenswert.

Über den Autor:

Wolfgang Thon wurde am 17.07.1954 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Abitur studierte er Sprachwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Berlin und Hamburg. Heute ist er als Übersetzer und Autor für verschiedene Verlage tätig. Er ist Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und lebt, schreibt, übersetzt, reitet und tanzt (Argentinischen Tango) in Hamburg.

Aus dem Klappentext:

Seit ihrer Jugend sind der Müllerssohn Eik und der Landadelige Valerian befreundet – bis sich Eik in Valerians Schwester verliebt. Der junge Edelmann ist so vehement gegen diese unstandesgemäße Verbindung, dass sich die Männer fortan aus dem Weg gehen. Doch der 30-jährige Krieg ändert alles. Während Eik sich auf die Seite der Protestanten schlägt, schließt sich Valerians Familie den Katholiken an. In der Schlacht von Magdeburg treffen sie wieder aufeinander – und nur einer kann überleben!

 

Autor: Wolfgang Thon

Umfang: 544 Seiten

Erscheinungsdatum: 16. Januar 2017

Erschienen im: Blanvalet Taschenbuch Verlag

Preis: 9,99 €

ISBN: 978-3734102400

Post Author: Michael Taube